Electronic

Hinter Santigold verbirgt sich eine der außergewöhnlichsten Künstlerinnen der aktuellen US-Musikszene. Ihre einzigartige Mixtur aus zahllosen Genres stieß auf weltweite Begeisterung. Ihre Ausdruckform ist kaum zu greifen, da sich ihre Einflüsse aus den unterschiedlichsten Epochen und Sounds zusammenfügen. Mit ihrem 2008 erschienenen Debütalbum „Santogold“ stieg das in New York beheimatete Multitalent in die internationalen Hitlisten. Das 2012 veröffentlichte, kühl und abstrakt gehaltene Album „Master of My Make-Believe“ kletterte in allen wichtigen Musiknationen in die Top 30 der Charts und manifestierte sie als eine bedeutende Kraft zwischen kompromissloser Eigenständigkeit und gleichzeitigem kommerziellem Erfolg. Mit dem Ende Januar veröffentlichten, neuen Werk „99¢“ überrascht sie ihre Fans ein weiteres Mal und liefert ein grundpositives, mitunter jubilierendes Album ab, auf dem sie von teils höchst privaten Erlebnissen erzählt. Im Frühsommer kommt Santigold mit ihrem neuen Werk auf Europa-Tournee, in deren Rahmen sie zwischen dem 14. und 28. Juni auch in Zürich, Lausanne, Köln und Berlin spielen wird.

Von einer jungen Frau, die an der Universität karibisches und westafrikanisches Trommeln studiert hat, darf man Außergewöhnliches erwarten. Für die 39-jährige Santi White, die bis zu einem Namensrechtsstreit im Jahr 2009 ihren Spitznamen Santogold verwendete und sich dann in Santigold umbenannte, war dieses Studium aber nicht mehr als einer von vielen Bausteinen, um ihren eigenen Sound zu finden. In ihrer Kindheit verbrachte sie viele Abende mit ihrem Vater auf Konzerten von Künstlern wie Fela Kuti oder Nina Simone, ihre ältere Schwester sensibilisierte sie für den klassischen Rocksound zwischen Bad Brains und The Smiths.

Sie selber entdeckte James Brown, Aretha Franklin und traditionelle nigerianische Musik für sich. „Dann gab es an meiner Schule Leute, die New Wave wie The Cure oder die Talking Heads hörten“, erzählt sie. „All das findet sich in Santigold wieder. Ich verbinde diese Einflüsse mit meinem Output und kreiere daraus meinen eigenen Stil.“ Entsprechend lange arbeitete sie an ihrem Debütalbum, das noch unter dem Namen „Santogold“ erschien. Sie komponierte und produzierte einen Großteil allein und spielte auch viele Instrumente selbst ein. Gleich nach Veröffentlichung ihres Debüts avancierte sie zu einer der größten Entdeckungen in den einschlägigen Szenemagazinen.

Ihr individueller Stil, der sich aus Versatzstücken von Elektronik, Rock, Independent, New Wave und afrikanischen Klängen zusammensetzt, erlaubte es Santigold, mit den unterschiedlichsten Künstlern auf Tour zu gehen. So teilte sie die Bühne mit Coldplay, Beastie Boys, M.I.A., Jay-Z oder der ähnlich exzentrischen Björk. Überdies stellte sie ihre einzigartige Kunst in den Dienst zahlreicher Kollaborationen. Ihre Stimme und ihre Ideen finden sich auf Alben von Mark Ronson, Kanye West, N.E.R.D., den Beastie Boys, David Byrne oder The Bravery. Allein diese Auflistung demonstriert, wie wenig sich Santigold stilistisch eingrenzen lässt.

2012 erschien ihr zweites Album „Master of My Make-Believe“, ein mystisches, raumgreifendes und mit dunklen Klangtexturen spielendes Werk, auf dem Santigold in der Abgeschiedenheit eines jamaikanischen Studios den Radikalismus ihrer einzigartigen Stil-Mixtur weiter auslotete. Das Album geriet, befeuert durch den weithin beachteten Song „Go!“, einer Zusammenarbeit mit der Yeah Yeah Yeahs-Sängerin Karen O, zu einem Referenzwerk für postmoderne Eigenständigkeit. Existenzielle, persönliche Ereignisse seither – darunter die Geburt ihres ersten Sohnes – veranlassten die Künstlerin, sich nach einer kreativen Pause für ihr drittes Werk „99¢“ vollkommen neu anzudenken: Ziel war, eine fröhliche, leichtfüßige Platte aufzunehmen, die aber in den persönlichen Texten gleichzeitig viel Mut und eine deutliche Botschaft transportiert. Das Ergebnis klingt wie eine facettenreiche Collage über die kleinen Alltags-Momente zwischen Aufrichtigkeit und Zufriedenheit.